Was August 1974 als Aussenstelle des niederländischen Dolfinariums Harderwijk gegründet wurde,
findet nach über 38  Jahren als Delphinarium in Münster ein Ende.

Am kommenden Sonntag, den 6. Januar 2013, Anfang 2013 heisst es Abschied nehmen
von den drei Großen Tümmlern Nando, Palawas und Rocco, die dann zum letzten Mal in Münster öffentlich Ihre Bahn ziehen werden.
Am 4. Januar korrigierte der Allwetterzoo seine ursprüngliche Meldung das Delphinarium zum Ende der Weihnachtsferien zu schließen. Jetzt lautet es auf den Webseiten des Zoos, dass es irgenwann “Anfang 2013” soweit sei.
Bis dahin werden die drei Delfine “während der Vorführungen immer mal wieder zu sehen sein.

Euphorie trotz Ungewissheit?

All zu euphorisch feiern die Tierschutzorganisation Peta, sowie das Wal- und das Delfinschutz-Forum die Schliessung des münsterschen Delfinariums als einen weiteren Erfolg. Setzen sie sich doch für den Boykott von Delfinshows in viel zu flachen und engen Betonbecken ein und wenden sich nun den beiden letzten verbleibenden Delfinarien in Deutschland – Duisburg und Nürnberg – zu.
Jedes geschlossene Delfinarien reduziert, nach ihren Angaben, die gezielten und nicht nachhaltigen Nachzuchten sowie Wildfänge.

Doch wie kann man sich als Tierschützer über das Aus des münsterschen Delfinariums freuen, wenn die Zukunft der drei Delfine noch völlig unbekannt ist?
Sowohl Allwetterzoo, als auch das Umweltamt als zuständige Behörde machen ein Geheimnis daraus, was mit den Tieren nach der Schliessung geschieht.
Da entsprechende Anfragen für eine Weitergabe an eine andere Einrichtung in Deutschland nicht vorliegen und Dokumente für eine Ausfuhr aus der Europäischen Union nicht beantragt wurden, geht man von Seiten der Tierschützer davon aus, dass Nando, Palawas und Rocco an ein anderes europäisches Delfinarium abgegeben werden.
Was hat sich dann für die drei Tiere geändert? Nichts.

Das ist die Kritik, die ich daran äussere – Der Teilerfolg der Schliessung auf Kosten der Tiere, denn diese werden jetzt einen unnatürlichen Transport in ihr neues Zuhause auf sich nehmen und Ihre gewohnte Umgebung und Pflegepersonal aufgeben müssen.
Und das in Zeiten wo durch Ölkatastrophen mit hunderten von Millionen Litern Öl unzählige in der natürlichen Wildbahn lebende Delfine sterben, qualvoll verenden oder sogar sinnlos erschossen werden.
Hier wäre mehr Aufmerksamkeit und Protest, der in Deutschland kurz nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko schon wieder abebbte, vonnöten.

Glücklicherweise sehen andere das ähnlich.

Allwetterzoo beugt sich Druck trotz Einhaltung der Richtlinien

Der Allwetterzoo, der sich seit 2008 unter immer stärker werdender Kritik des in die Jahre gekommenen Delphinariums sah, hätte Kosten von über 20 Millionen Euro für einen Umbau anstrengen müssen.
Auch wenn der 18 Jahre in Münster lebende und hier 2009 altersbedingt verstorbene südamerikanische Delfin Paco mit 40 Jahren ein Rekordalter erzielte, nahmen die Proteste gegen die Haltung in Münster bis zuletzt zu.
Zoochef Jörg Adler gab dem Druck 2010 schliesslich nach und verkündete das Aus des Delfinariums für 2012.

Dabei war das Delphinarium in Münster nach eigenen Angaben Mitbegründer und Mitglied zahlreicher Tierschutzorganisationen und übertraf die EU-Richtlinien der Zootierhaltung.

Selbstansicht des Delphinarium

Nach Angaben von Zoochef Jörg Adler entspreche die Haltung aber, trotz Einhaltung der Vorschriften, nicht mehr dem Zeitgeist.

Aus Delphinarium wird Robbenhaven

Laut Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) wurde am 04. Januar 2013 einem Journalisten auf Anfrage mitgeteilt daß, das Delfinarium wegen eines Transfers dermünsterschen Delfine mit Portugal in Verbindung stehe.
Dafür kämen laut WDSF der Zoo Jardim Zoologico in Lissabon,  oder das Zoomarine Algarve bei Guia  in Frage.
Im Laufe des Jahres wird das dann ehemalige Delphinarium verschönert und zum “Robbenhaven” umgebaut, wo es dann mehrmals täglich Vorführungen mit den kalifornischen Seelöwen geben soll.

Ob der Protest dann abebbt bleibt abzuwarten, zumindest für den Transport der Delfine ist mit Protesten durch Tierschützer zu rechnen.

Bis zum 6. Januar 2013 geht noch die erfolgreiche Aktion “Pay what you want!” des Allwetterzoos, bei der die Besucher den Eintrittspreis selber festlegen können. Letzte Noch eine Chance Nando, Palawas und Rocco noch einmal in Münster in Aktion zu erleben.

Edit:
Am 05. Februar 2013 sind die drei Delfine nach Harderwijk verlegt worden und wohlbehalten angekommen.
Das Delphinarium im Allwetterzoo heisst fortan Robbenhaven.

Weiterführende Links:

Allwetterzoo Münster
Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)
PETA
Zoofans.de

Kommentare
  1. Svenja sagt:

    Hallo,

    dass ist ein sehr guter Beitrag. Endlich schreibt jemand einen auf richtigen Tatsachen fundierenden Bericht über das Aus des Delfinariums Münster.

    Für Herrn O. ist das ein ganz toller Erfolg sein, denn er hat ja wirklich sehr viel für die Delfine dort getan. Für ihn ist die Sache jetzt vom Tisch, dass Delfinarium schließt und was nun letzendlich mit den Tieren passiert, die ihm so am Herzen liegen (hust) ist nun kein Thema mehr.

    Im Sommer wird Herr O. wieder vor dem Zoo Duisburg mit seinen Anhängern Demonstrieren. Dann wird er ganau so lange vor Ort sein, wie es die Medien auch sind, danach verschwindet er schnell wieder.

    Das einzig wichtige für diesen Mann, sind die 2 Stunden Aufmerksamkeit die er dort bekommt, trauriger weise.

    Dann lässt er wieder seine tollen Flyern, mit toten Delfinen wieder an kleine Kinder verteilen.

    Ich hasse diesen Mann einfach nur noch. Ich kann ihn nicht für voll nehmen. Genauso wie Rick, einen verurteilten Tierquäler.

    Traurig was sich hier bei uns alles Tierschützer nennen darf.

    Umso schöner ist es, dass es Menschen wie dich geben, die sich Gedanken machen, bevor sie diese Verschriftlichen!

  2. Norbert sagt:

    Es ist schon seltsam: Gegen die Delfinhaltung wird mit allen Mitteln vorgegangen, obwohl ohne die Erkenntnisse aus den Delfinarien gar kein vernünftiger Delfinschutz möglich wäre. Bis auf wenige verhaltensbiologische Erkenntnisse stammen so gut wie alle Forschungsergebnisse aus der Delfinhaltung.

    Eine dieser Erkenntnisse ist, dass viele Robbenarten (z.B. die Kalifornischen Seelöwen) trotz eines anderen Charakters den Delfinen in ihrer intellektuellen Leistung praktisch in nichts nachstehen. Auch diese haben eine Selbsterkenntnis, können strukturierte Befehle analysieren und korrekt ausführen usw.

    Daher ist es einfach nur traurig, dass in Deutschland wieder ein Ort verschwindet, an dem sich Menschen für Delfine begeistern können und Meeresbiologen die Möglichkeit zur Forschung haben. Auch, dass damit wieder eine Plattform für den Meersschutz wegfällt und die Delfine aus dem Blickfeld der Menschen verschwinden.
    Nein, Filme und Dokus sind kein Ersatz für das direkte Erleben dieser faszinierenden Tiere.

    Alles in Allem ein schwarzer Tag für den Delfinschutz. – Auch wenn Ortmüller sich wieder ein paar Trophäen an sein Ego heften kann.

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