Zu einem Blick über den Tellerrand lud Achim Specht vom Umweltamt der Stadt Münster heute in die Stadtbücherei zu einem Vortrag über Regenwald und Klimaschutz.

Aus rund 8000 Kilometern Entfernung kamen uns als Gäste Joe Martin und seine Tochter Tsimka von der anderen Seite der Erde dazu um uns über ihre indianische Kultur, aber viel mehr über die Gefährdung ihrer Heimat zu berichten.
Pit Budde, Musiker und selber Herausgeber eines Buches über indianische Kulturen im Ökotopia-Verlag, half dem anwesenden Publikum zu übersetzen.

v.l.n.r.: Pit Budde, Joe Martin, Tsimka Martin, Achim Specht

Die Martins, beide Mitglieder vom Volk der Tla-o-qui-aht, einem Stamm der Nuu-chah-nulth, wohnen auf Meares Island am Clayoquot Sound, im äußersten Westen von Vancouver Island in British Columbia, dass mit seinen 270.000 Hektar  zu den schönsten Gegenden Westkanadas zählt.
Einer nach aussen idyllisch erscheinenden Region – mit jahrtausend alten riesigen Zedern in den Regenwäldern, Orcas und Grauwalen im Meer, intakten Bächen und Flüssen mit ihrem Lachsbestand, unzähligen Weißkopfseeadlern, – die aber in der Tat stark gefährdet ist.

Mensch und Maschine plündern seit Jahrzehnten die Region aus.
Die Rodung der bis zu 2000  Jahre alten Regenwaldbäume, die in manchen Gegenden bereits bis zu 80% fortgeschritten ist, fördert die Erosion und der Kahlschlag hat ebenfalls Einfluss auf die Lachspopulation.

Raubbau Holz - Bild (c) Friends of Clayoquot Sound FischFarm - Bild (c) Friends of Clayoquot Sound

Künstliche Fischfarmen gefährden ausgerechnet im Durchzugsgebiet die natürlichen Lachbestände.
Touristen sowie strandnahe Luxuvillen verhinden den Nachwuchs der bei Flut anlandenden Fische, die ihre Eier im seichten Sand vergraben. Viele der Eier werden durch das Eindringen des Menschen in diese Brutgebiete zerstört.

Obwohl es im Jahr 2000 gelang einen Teil des Gebietes als UNESCO-Biosphärenreservat zu deklarieren, vergibt die kanadische Regierung dennoch Ausgrabungsgenehmigungen für Kupfer und Gold in dieser Region, plant den Bau von Pipelines durch ein- gerade gestern erst von einem schweren Erdbeben heimgesuchtes- Areal und erteilt Genehmigungen zum Fördern von Öl aus ökologisch gefährlichen Teersänden.

Erdbebenzone - Bild (c) Friends of Clayoquot Sound Kupfermine in British Columbia - Bild (c) Friends of Clayoquot Sound

Wie groß die Lobby dieser Firmen und der kanadischen Regierung ist zeigte sich erst Anfang des Jahres, als ein von der EU gefordertes Importverbot dieser ölhaltigen und giftigen Schlacke nicht zustande kam, weil Deutschland sich dem Druck beugte und bei der Abstimmung enthielt.

Um wieder die  Kurve zu Münster zu kriegen – auch wir beeinflussen mit unserem alltäglichen Verhalten den Verbrauch und Abbau dieser Güter auf der anderen Seite des Planeten.
Wörter wie Umweltschutz, Ressourcenschonend und Nachhaltigkeit waren lange Zeit bei Völkern wie den Tla-o-qui-aht nicht im Wortschatz enthalten, eben weil es ganz natürlich und selbstverständlich ist und nicht eine Sonderbehandlung darstellt wie bei uns heutzutage.

Mit den Europäischen Seefahrern kam dann das Unheil über diese Völker.

Kolonialisierung alter und neuer Zeit

Man missionierte sie, verprach ihnen das Blaue vom Himmel und machte sie von sich anhängig. Sie wurden zwangsenteignet und versucht auszurotten.
Jetzt, so fühlen diese Völker, kommt eine neue Welle der Landnahme in Form der Industrieherrschaft über sie.

In eine künstliche Armut und Arbeitslosigkeit getrieben, die in diesen Regionen bei 60-90% liegt, locken Verträge mit noch so wiederlichen Kondtionen dazu sein Land zu verkaufen, nur um zu überleben.
Jahrzehntausende altes Land, nach alten Traditionen beheimatet und binnen Wochen für immer zerstört.

Doch seit einiger Zeit regt sich ein immer größer werdender Widerstand, den Joe und Tsimka Martin aus ihrer Heimat stellvertretend für die Nuu-chah-nulth in alle Welt tragen.
Eine der heute bekanntesten und erfolgreichsten Umweltschutzinitiativen Nordamerikas, die Friends of Clayoquot Sound, gehen ebenfalls gegen die Zerstörung und Ausbeutung ihrer Heimat und ihrer Kultur vor.
Bereits 1984 gelang es allen Beteiligten den Kahlschlag von Meares Island durch das Unternehmen MacMillan Bloedel Limited zu verhindern. Die Tla-o-qui-aht ernannten daraufhin die Insel zum Tribal Park

Eine Organisation die, und ein Anliegen dass Gehör und Unterstützung verdient, weltweit.

Und so passt zum Abschluss dieses Artikels nichts besser, als der Leitspruch der Nuu-chah-nulth:
Hishuk ish ts’awalk” – “All is one and interconnected” – “Alles ist eins und miteinander verbunden”

Joe Martin Tsimka Martin

Joe und Tsimka Martin sind in den kommenden Tagen noch auf weiteren Veranstaltungen der VHS Ahlen zu sehen und es lohnt sich Ihren Ausführungen zuzuhören:
Do. 01.11.2012, Exkursion zum Naturkundemuseum Münster: Ausstellung “Wale – Riesen der Meere”
So. 04.11.2012, Großer Westkanada-Abend im Cinema Ahlen

Weiterführende Links:

Tla-o-qui-aht First Nations
– Friends of Clayoquot Sound
Clayoquot Sound Biosphere Reserve
Amt für Grünflächen und Umweltschutz – Klimaschutz in Münster

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